Sergeant Joe Matthews
ist der Star der Mordkommission des Miami Beach Police Department, the confession
man nennen sie ihn. Keiner hat in den letzten 20 Jahren mehr Mordfaelle
geloest, fast immer hatte Matthews ein Gestaendnis. Aber die Erfolgsbilanz
hat eine Schattenseite: keine Stadt in den USA hat groessere Polizei- und
Justizskandale erlebt als Miami, dem Urlaubsparadies der 50er und 60er Jahre.
Mord, Drogenhandel, Korruption, Gluecksspiel, Zuhaelterei, es gab nichts,
an dem nicht auch Polizisten beteiligt waren. 1986 wurden in einem der aufsehenerregensten
Faelle der Polizeigeschichte 150 Beamte verurteilt. Kein Wunder, dass die
Touristen ausbleiben. Doch das soll sich aendern: die Dollars der Besucher
sind zu wichtig fuer die Stadtsanierung, Miami braucht ein sauberes Image.
Ausgerechnet jetzt passt ein Mord an einer huebschen blonden Urlauberin
aus Deutschland, auch noch veruebt von einem schwarzen Junkie, nicht in
das Konzept der Stadtvaeter.
Zunaechst steht Dieter Riechmann unter Schock. Selbst als er drei Tage nach
dem Tod seiner Freundin unter dem Vorwurf, falsche Angaben beim Erwerb einer
Waffe gemacht zu haben, verhaftet wird - einer Waffe, die nichts mit der
Tat zu tun hat - realisiert er nicht, dass er in grossen Schwierigkeiten
steckt.
Die Verhaftung ist ein Vorwand. Sergeant Matthews und seine Leute brauchen
Zeit fuer ihre Ermittlungen, denn bei Mord hat die Staatsanwaltschaft nur
21 Tage Zeit, Anklage zu erheben, ansonsten muss der Verdaechtige auf freien
Fuss gesetzt werden. Aber Dieter Riechmann erfaehrt gar nicht, dass er unter
Mordverdacht steht, dass er der einzige Verdaechtige ist. Keiner klaert
ihn ueber seine Rechte auf, niemand liest ihm die beruehmten miranda rights
vor: "...haben sie das Recht zu schweigen.". Er weiss nicht, dass die stundenlangen
Gespraeche, die Sergeant Matthews mit ihm fuehrt, Verhoere sind, die ohne
sein Wissen mitgeschnitten werden. Der Verdaechtige erfaehrt nicht, dass
die amerikanischen Behoerden noch zwei Monate nach seiner Verhaftung ein
Telex an die Polizei in Deutschland schicken mit der dringenden Bitte um
Hilfe: "Wir haben keine Beweise, dass er der Taeter ist. Koennen sie uns
helfen, ein Motiv zu finden?"
Und in der Tat: es gibt keine Beweise, dass Dieter Riechmann den Mord begangen
hat. Polizei und Staatsanwaltschaft haben nur Indizien.
Dieter Riechmann nimmt das Ganze auf die leichte Schulter. Aber er weiss,
dass er keinen Mord begangen hat, und wieso sollte ihm den jemand anhaengen
wollen? Fuer ihn ist es ein Spiel, in dem er glaubt, ein gleichwertiger
Mitspieler zu sein. Und Spielen ist ohnehin eine seiner Leidenschaften.
Backgammon, Schach, Pokern... Beherrscht und kuehl kalkulierend, und meistens
auf der Gewinnerseite, so beschreiben ihn alte Freunde aus gemeinsamen Hamburger
Tagen, und immer ging es um hohe Summen. Aber darueber redet Dieter Riechmann
nicht.
Dieter Riechmann weiss um seine Vergangenheit. Das ist kein Leben ohne Schnoerkel:
harte Kindheit, harter Vater, Jugendstrafen, verschiedene kleinere Delikte
in den 70er Jahren. Mit 17 Jahren will er endlich dem Elternhaus entfliehen,
er heuert an als Seemann und faehrt ein paar Jahre um die Welt. Der Umgang
mit der Prostitution gehoert fuer ihn zur Normalitaet, das Hamburger Rotlichtmilieu
hat fuer ihn nichts Abschreckendes. |