Tatsaechlich scheint sich alles zum Guten zu wenden: am 31. Dezember 1987 wird er von allen Vorwuerfen im Zusammenhang mit dem Waffenkauf freigesprochen. Ein Pyrrhussieg wie sich schnell herausstellt: noch im Gerichtssaal wird er erneut verhaftet, der Vorwurf lautet diesmal: Mord!

Spaetestens als im Juli 1988 der Prozess gegen Dieter Riechmann wegen Mordes an seiner Lebensgefaehrtin beginnt, haette er begreifen muessen, dass dies kein Spiel mehr ist. Doch wissend um seine Unschuld, im Vertrauen in das amerikanischen Rechtssystem, nimmt Riechmann in provozierender Ueberheblichkeit weder die Staatsanwaeltin, noch die Geschworenen, noch das Gericht ausreichend ernst.

Wieder pokert er hoch: dieses Mal ist der Einsatz sein Leben. Im Prozess wehrt er sich dagegen, dass sein Anwalt nach Deutschland faehrt um mit gemeinsamen Freunden von Kerstin und ihm zu reden. Angst vor negativen Aeusserungen? Voellig unbegruendet, wie sich im Nachhinein rausstellt. Im Wiederaufnahmeverfahren 1996 muss der damalige Anklaeger di Gregori zugeben, dass der Verteidigung 37 Zeugenaussagen aus Deutschland vorenthalten worden sind: allesamt geben ein positives Bild von Dieter Riechmann ab.

Endlich, viel zu spaet merkt Riechmann, dass er in einem Teufelskreis aus schlampiger Polizeiarbeit, inkompetentem Verteidiger, und einer jungen, unerfahrenen Staatsanwaeltin steckt, der jedes Mittel recht ist, um einen Taeter zu praesentieren. In dem aufsehenerregenden Indizienprozess geht es am Ende nicht mehr um die Wahrheit.

Dieter Riechmann als Moerder zu praesentieren ist ein hartes Stueck Arbeit: Es gibt weder Zeugen, noch eine Tatwaffe, noch andere wirkliche Beweise. Aber die Staatsanwaeltin kann sich auf die Polizei verlassen. Erst heute weiss man, das die Staatsanwaltschaft scheinbar vor Manipulationen nicht zurueckgeschreckt hat: Ein Polizist und der Kronzeuge der Anklage, ein Knastverraeter, der mit Riechmann zwei Monate lang eine Zelle geteilt hat, geben heute zu, dass ihre Aussagen von damals gelogen waren. Auf Druck und gegen Versprechungen der Behoerden sind ihre Aussagen 1988 erfolgt !